September 10, 2026 — 8:28 p.m.
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Haben Wespen eine Königin? So sind Königin, Arbeiterinnen und Drohnen organisiert

Haben Wespen eine Königin? So sind Königin, Arbeiterinnen und Drohnen organisiert

Kurzantwort: Ja. Ein typisches staatenbildendes Wespenvolk in Deutschland hat eine Königin, die den Staat gründet und den Großteil der Eier legt. Arbeiterinnen übernehmen Nestbau, Brutpflege, Verteidigung und Nahrungssuche, während die Drohnen der Fortpflanzung dienen. Solitär lebende Wespen bilden dagegen kein Volk und haben deshalb auch keine Königin.

Wer im Sommer viele Wespen aus demselben Nest ein- und ausfliegen sieht, beobachtet keinen ungeordneten Schwarm, sondern einen arbeitsteilig organisierten Staat. Im Zentrum dieses sozialen Systems steht die Wespenkönigin, doch sie erledigt keineswegs alle Aufgaben selbst. Sobald genügend Arbeiterinnen vorhanden sind, konzentriert sich ihre wichtigste Funktion auf die Fortpflanzung. Wie sich solche Völker auf einem Grundstück bemerkbar machen, ist ebenfalls ein Thema in unseren Beiträgen über Insekten im Garten.

Ja: Ein Wespenvolk hat normalerweise eine Königin

Bei den staatenbildenden Wespenarten, die in Deutschland am häufigsten als klassisches „Wespenvolk“ wahrgenommen werden, bildet eine Königin das reproduktive Zentrum des Staates. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Wespe, die Gemeine Wespe, die Rote Wespe, verschiedene Langkopfwespen sowie die Europäische Hornisse. Die Königin gründet den Staat und produziert die weiblichen Nachkommen, aus denen zunächst vor allem Arbeiterinnen hervorgehen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich im Nest das ganze Jahr über nur ein fortpflanzungsfähiges Weibchen befindet. Später entstehen auch junge Königinnen der nächsten Generation, doch diese übernehmen nicht einfach den bestehenden Staat. Sie verlassen das alte Volk zur Fortpflanzung und sind für die Gründung neuer Staaten bestimmt.

Königin, Arbeiterinnen und Drohnen: So ist das Volk aufgebaut

Ein sozialer Wespenstaat besteht aus drei grundlegenden Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben. Die zahlenmäßig größte Gruppe bilden die Arbeiterinnen, während die Königin als wichtigste Eierlegerin die Fortpflanzung sichert. Drohnen sind männliche Wespen und treten vor allem dann auf, wenn der Staat Geschlechtsorgane hervorbringt.

GruppeGeschlechtHauptaufgabe im Wespenvolk
KöniginweiblichStaat gründen und Eier legen
ArbeiterinnenweiblichNestbau, Brutpflege, Nahrungssuche, Versorgung und Verteidigung
DrohnenmännlichPaarung mit jungen Königinnen

Die Arbeiterinnen halten das eigentliche Alltagsgeschäft des Volkes am Laufen. Sie erweitern das Nest, beschaffen Nahrung, versorgen die Larven und übernehmen die Verteidigung, während die Königin nach der frühen Gründungsphase zunehmend im Nest bleibt. Diese Arbeitsteilung ermöglicht einem Staat, innerhalb weniger Monate von einer einzelnen Gründerin auf Hunderte oder sogar Tausende von Tieren zu wachsen.

Die Königin ist vor allem für die Fortpflanzung zuständig

Die Königin ist nicht einfach eine besonders große Arbeiterin mit Führungsfunktion, sondern das zentrale fortpflanzungsfähige Weibchen des klassischen Wespenstaats. Nachdem die ersten Arbeiterinnen die Versorgungsaufgaben übernommen haben, können sie einen großen Teil ihrer Energie in die Eiablage investieren. Bei hochsozialen Arten wie der Gemeinen und der Deutschen Wespe ist diese klare Trennung zwischen reproduktiver Königin und Arbeiterinnen besonders ausgeprägt.

Arbeiterinnen halten den Staat am Leben

Arbeiterinnen sind ebenfalls weiblich, übernehmen jedoch unter normalen Bedingungen nicht die Rolle der Königin. Jüngere Tiere arbeiten häufig stärker im Nest, während ältere Arbeiterinnen vermehrt außerhalb nach Nahrung suchen oder den Nesteingang verteidigen. Ohne diese große weibliche Arbeitskaste könnte eine einzelne Königin weder ein großes Nest unterhalten noch Tausende Nachkommen versorgen.

Drohnen haben eine andere Aufgabe

Drohnen sind die männlichen Tiere des Wespenstaats und beteiligen sich nicht in vergleichbarer Weise am Nestbau oder an der Brutpflege. Ihre wesentliche biologische Funktion besteht darin, sich mit jungen Königinnen zu paaren. Da Männchen aus unbefruchteten Eiern entstehen, unterscheidet sich ihre Entstehung grundsätzlich von der der weiblichen Arbeiterinnen und Königinnen.

Warum gibt es in einem Wespenvolk nur eine Königin?

Warum gibt es in einem Wespenvolk nur eine Königin?

Die Antwort liegt in der ausgeprägten reproduktiven Arbeitsteilung bei sozialen Wespen. Anstatt dass viele Weibchen gleichzeitig eigene Nachkommen produzieren, übernimmt im typischen Staat eine Königin den überwiegenden Teil der Eiablage und die Arbeiterinnen investieren ihre Energie in die gemeinsame Versorgung des Volkes. Biologen sprechen bei einem Staat mit einer Königin von einer monogynen Sozialstruktur.

Dabei spielen auch chemische Signale eine wichtige Rolle. Untersuchungen an der Gemeinen Wespe zeigen, dass die Fruchtbarkeit der Königin mit entsprechenden Signalen zusammenhängt, die die Unterdrückung beziehungsweise Kontrolle der Fortpflanzung der Arbeiterinnen ermöglichen. Zusätzlich entfernen Arbeiterinnen bei einigen Arten die Eier anderer Arbeiterinnen, wodurch die reproduktive Vorrangstellung der Königin weiter stabilisiert wird.

Die Formulierung „genau eine Königin“ erfordert dennoch eine biologische Einschränkung. Bei Feldwespen können sich mehrere begattete Weibchen zunächst zu einer Nestgemeinschaft zusammenschließen und in einer Rangordnung leben, sodass die Gründungsphase vom klassischen Ein-Königin-Schema abweichen kann. Für die in Deutschland besonders bekannten Staaten von Deutscher Wespe, Gemeiner Wespe und anderen Echten Wespen ist eine einzelne reproduktive Königin jedoch der typische Fall.

Was passiert, wenn die Wespenkönigin stirbt?

Stirbt die Königin früh oder während der starken Wachstumsphase des Volkes, fehlt die wichtigste Quelle neuer Arbeiterinnen. Die bereits vorhandenen Arbeiterinnen können die bestehende Brut zwar noch eine Zeit lang versorgen und das Nest weiterführen, doch der Staat verliert seine normale Nachwuchsproduktion. Anders als ein Honigbienenvolk kann ein typischer Staat von Gemeiner oder Deutscher Wespe nicht einfach dauerhaft eine neue Königin einsetzen und damit unverändert weiterbestehen.

Arbeiterinnen besitzen bei vielen sozialen Wespen zwar Eierstöcke und können unter bestimmten Bedingungen selbst Eier legen. Da Arbeiterinnen nicht begattet sind, können aus solchen unbefruchteten Eiern jedoch nur männliche Nachkommen entstehen, sodass dadurch keine neue Arbeiterinnengeneration aufgebaut werden kann. Untersuchungen an der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe zeigen sowohl Arbeiterinnenreproduktion als auch Mechanismen, mit denen Arbeiterinneneier im normalen königinnenführenden Staat unterdrückt oder entfernt werden.

Stirbt die alte Königin erst gegen Ende der Saison, fällt ihr Tod dagegen mit dem natürlichen Zerfall des einjährigen Staates zusammen. Arbeiterinnen und Drohnen verschwinden ebenfalls, während begattete Jungköniginnen außerhalb des alten Nestes weiterleben können. Der Tod der alten Königin ist dann also nicht die Ursache einer ungewöhnlichen Katastrophe, sondern Teil des normalen Endes dieses konkreten Wespenvolkes.

Welche Wespenarten bilden überhaupt einen Staat?

Deutschland beherbergt mehrere hundert Wespenarten, doch nur ein kleiner Teil davon lebt in großen sozialen Staaten. Besonders bekannt sind die sozialen Faltenwespen, zu denen echte Wespen, einschließlich der Hornissen, sowie Feldwespen gehören. Die große Mehrheit dessen, was zoologisch als Wespen bezeichnet wird, lebt dagegen nicht in einem Volk mit Arbeiterinnen und Königin.

LebensweiseTypische Beispiele in DeutschlandKönigin vorhanden?
StaatenbildendDeutsche Wespe, Gemeine Wespe, Rote Wespe, Sächsische Wespe, Waldwespe, Norwegische Wespe, Mittlere Wespe, Europäische HornisseJa, im typischen Staat
Sozial lebende Feldwespenetwa Haus-FeldwespeReproduktive Rangordnung; mehrere Gründerinnen sind möglich
Sozialparasitischverschiedene KuckuckswespenNutzen den Staat einer Wirtsart und besitzen keine eigene Arbeiterinnenkaste
Solitärunter anderem viele Lehmwespen sowie zahlreiche weitere WespenfamilienNein, kein Wespenstaat

Bei den echten Wespen gehören unter anderem die Deutsche Wespe, die Gemeine Wespe, die Rote Wespe, die Sächsische Wespe und die Europäische Hornisse zu den sozialen Arten. Einige verwandte Kuckuckswespen verfolgen dagegen eine andere Strategie und übernehmen bestehende Nester anderer Arten, anstatt einen eigenen Arbeiterinnenstaat aufzubauen. Deshalb ist selbst innerhalb einer relativ eng verwandten Wespengruppe nicht jede Art gleich organisiert.

Solitär lebende Wespen besitzen weder Arbeiterinnen noch eine Königin im sozialen Sinn. Jedes Weibchen baut beziehungsweise nutzt sein eigenes Nest und versorgt seine eigenen Nachkommen, wie es beispielsweise bei solitären Lehmwespen der Fall ist. Die Frage „Haben Wespen eine Königin?“ lässt sich deshalb nur dann mit einem klaren Ja beantworten, wenn tatsächlich von einer staatenbildenden Art die Rede ist.

Wie groß wird ein Wespenvolk im Jahresverlauf?

Die Volksgröße verändert sich innerhalb weniger Monate enorm. Zu Beginn besteht der entstehende Staat nur aus der Königin, danach kommen mit den ersten Arbeiterinnen immer mehr Tiere hinzu. Sein Maximum erreicht ein erfolgreicher Wespenstaat bei vielen Arten im Hoch- oder Spätsommer.

ZeitraumTypische GrößenordnungWas im Volk passiert
Frühjahr1 KöniginDie Gründerin ist zunächst allein
Frühsommererste Dutzende bis HunderteArbeiterinnen übernehmen immer mehr Aufgaben
HochsommerHunderte bis TausendeDas Nest und die Arbeiterinnenzahl wachsen stark
Spätsommerartspezifischer HöchststandGroße Staaten erreichen ihre maximale Stärke
Herbstwieder abnehmendDer bestehende Staat löst sich zunehmend auf

Besonders große Staaten bilden die Gemeine und die Deutsche Wespe. Der BUND Rheinland-Pfalz nennt für diese Arten Nester mit bis zu 7.000 Individuen, während viele andere heimische Arten lediglich einige hundert Tiere aufweisen. Ein Volk der Europäischen Hornisse bleibt ebenfalls deutlich kleiner und kann nach Angaben des BUND auf bis zu 700 Tiere anwachsen.

Die Zahlen sind deshalb keine festen Sollgrößen für jedes Nest. Art, Wetter, Nahrungsangebot, Nistplatz und die Erfolgsaussichten der Königin beeinflussen, wie stark ein Volk tatsächlich wird. Welche Hohlräume dabei überhaupt als Nistplatz infrage kommen, hängt stark von der Bausubstanz ab und wird deshalb auch in unseren Ratgebern zu Hausbau und Gebäudehülle behandelt. Die oft auffällige Zunahme der Wespen im Sommer bedeutet also nicht, dass mehrere Königinnen Nachwuchs hervorbringen, sondern dass eine erfolgreiche soziale Arbeitsteilung sehr viele Arbeiterinnen hervorbringen kann.

Häufige Fragen

Hat wirklich jede Wespe eine Königin?

Nein, ein einzelnes Tier gehört nicht automatisch zu einem Wespenstaat. Eine Königin gibt es bei staatenbildenden Arten, während die große Zahl solitär lebender Wespen allein für den eigenen Nachwuchs sorgt. Solitärwespen besitzen daher weder eine Arbeiterinnenkaste noch eine Königin.

Können zwei Königinnen in einem Wespennest leben?

Bei den klassischen Staaten der echten Wespen in Deutschland ist eine Königin der Normalfall. Feldwespen sind eine wichtige Ausnahme, weil sich bei ihnen mehrere begattete Weibchen zur Nestgründung zusammenschließen können und anschließend eine Rangordnung entsteht. Deshalb ist „eine Königin pro Volk“ eine gute Alltagsregel, aber keine ausnahmslose Aussage für sämtliche sozialen Wespen.

Kann eine Arbeiterin zur neuen Wespenkönigin werden?

Bei hochsozialen Arten wie der deutschen und der gemeinen Wespe ersetzt eine Arbeiterin die verlorene Königin normalerweise nicht als vollwertige neue Königin des Staates. Arbeiterinnen können unter bestimmten Umständen unbefruchtete Eier legen, aus denen jedoch männliche Tiere entstehen. Dadurch lässt sich die fehlende Produktion weiblicher Arbeiterinnen nicht dauerhaft ausgleichen.

Wie viele Wespen leben mit einer Königin zusammen?

Das hängt stark von der Art ab. Gemeine und deutsche Wespen können Staaten mit mehreren Tausend Individuen bilden, während viele andere Arten nur einige hundert Tiere erreichen. Bei der Europäischen Hornisse liegen große Völker beispielsweise ungefähr im Bereich von mehreren hundert Tieren und können bis zu rund 700 Individuen umfassen.

Fazit: Eine Königin organisiert die Fortpflanzung des Wespenstaats

Ein typisches staatenbildendes Wespenvolk in Deutschland besitzt eine Königin, zahlreiche weibliche Arbeiterinnen und zeitweise männliche Drohnen. Die Königin übernimmt vor allem die Fortpflanzung, während Arbeiterinnen fast alle übrigen Aufgaben erledigen und der Staat dadurch je nach Art auf Hunderte oder mehrere Tausend Tiere anwachsen kann. Die wichtigste Einschränkung lautet: Die meisten Wespenarten leben überhaupt nicht in solchen Staaten, und bei sozial lebenden Feldwespen sind während der Nestgründung auch mehrere Gründerinnen möglich. Wer ein solches Nest direkt am Haus entdeckt, findet weitere Hinweise zum Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft eines Wespennests.